Was macht die Region Berlin so lebenswert?

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Arbeiten in der City und Wohnen im grünen Speckgürtel – die Wandlung vom Stadt- zum Landbewohner und zurück ist für viele Menschen ein verlockender Lebensentwurf. Sie lieben Kunst und Kultur, fahren aber auch gerne mit einem Kleintraktor über eine Wiese und wollen ein wenig Tierhaltung betreiben? Dann ist die Region Berlin vielleicht der ideale Wohnort für Sie. Was diesen Standort so attraktiv macht und warum diese Idee vom Leben nicht nur Gewinner kennt, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Der Wunsch nach einem Eigenheim

Eine alte These besagt, dass die Menschen in der Steinzeit hauptsächlich in Höhlen gelebt und zu dieser Zeit die Begehrlichkeit nach einer eigenen Immobilie entwickelt hätten. Obwohl diese Behauptung nach neueren paläoanthropologischen Erkenntnissen längst widerlegt ist, ist der Wunsch nach einem Eigenheim tief in den Köpfen der Menschen verankert.

Viele moderne Gesellschaften der westlichen Welt betrachten das Leben in den eigenen vier Wänden als erstrebenswertes Konzept. So würden etwa 72 Prozent der Deutschen vorzugsweise in einem Eigenheim anstatt zur Miete wohnen. Woher kommt aber dieser Wunsch, wenn er uns gar nicht in die Gene geschrieben ist?

Historische Ursachen

Ab etwa der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts – der Beginn der industriellen Revolution – regte sich im gesellschaftlich aufsteigenden Bürgertum der Wunsch, sich von der neu entstandenen Arbeiterklasse abzugrenzen. Diese strebte in die Städte, dorthin, wo die Fabriken waren. Um die Arbeiter unterzubringen, baute man Mietskasernen. Das Bürgertum steuerte in die entgegengesetzte Richtung. In den Vororten entstanden ab der Mitte des 19. Jahrhunderts in rascher Geschwindigkeit Villenviertel.

Da Wohnraum in den Städten nach den Weltkriegen knapp war, förderte der Staat ab den 1950er-Jahren Programme zum Eigenheimbau. Die wachsende Mobilität ab den 1960er-Jahren sorgte zusätzlich für einen Schub der Suburbanisierung. Die Immobilienpreise wurden erschwinglich und es konnten sich von nun an auch Arbeiter und Angestellte auf preiswertem Grund und Boden Eigenheime leisten.

Region Berlin als beliebter Wohnort

Dieser Boom hält bis heute an. Das Landesamt für Bauen und Verkehr erwartet eine Zunahme der Einwohnerzahl im Bereich rund um Berlin bis zum Jahr 2030 von über zehn Prozent. Im Speckgürtel, der etwa zehn Prozent der Fläche des Landes Brandenburg einnimmt, werden dann 42 Prozent aller Brandenburger wohnen. Allein im Jahr 2020 zogen etwa 35.000 Berliner von der Stadt hinaus ins Umland.

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Die Beliebtheit der Region Berlin wächst beständig. Die Stadt ist eine „Boomtown“. „Arm, aber sexy“ war einmal. Im bundesweiten Vergleich legte Berlin in den vergangenen Jahren ordentlich an wirtschaftlicher Kraft zu. Ein Hauptgrund dafür ist das starke Wachstum in der Digitalsparte. Berlin gilt als Hauptstadt der Gründer von Start-ups. Mit diesen steigt auch die Zahl der Einwohner und gleichzeitig verjüngt sich der Altersdurchschnitt.

Kunst, Kultur und Nachtleben sind Teile des Erfolgsmodells der Stadt. Ohne Sperrstunde, die 1949 abgeschafft und nur während der Corona-Epidemie zeitweise wieder eingeführt wurde, steht die City für alle nur erdenklichen Freizeitangebote offen. Diese Möglichkeiten, Verlockungen und Vergnügungen haben natürlich auch ihren Preis. Die Stadt ist laut, man steht im Dauerstau, Parkplätze sind Mangelware und die Luft ist vergleichsweise schlecht. Kinder alleine auf den Spielplatz zu schicken, ist keine gute Idee.

Familien zieht es auf das Land

Viele sehnen sich nach einem ruhigen und beschaulichen Wohnort. Eltern möchten ihre Kinder in einer ungefährlichen und naturnahen Umgebung aufwachsen sehen. Sie wünschen sich ein Domizil, das ländlich und lebenswert ist. Da Wohnraum in Berlin außerdem knapp und teuer ist, fällt die Entscheidung meist nicht schwer.

Vor allem junge Familien zieht es daher in den Speckgürtel der Stadt. Trotz auch dort steigender Immobilienpreise versprechen sie sich von diesem Schritt ein Stück naturnahe Lebensqualität fernab der Hektik der Großstadt. Zunehmend werden hier auch Wohnungen gebaut – zu noch bezahlbaren Preisen. Wer nicht gleich komplett ins Umland ziehen will oder kann, hat die Möglichkeit des Ausstiegs auf Zeit. „Datschen“ oder Schrebergärten erfreuen sich ebenfalls zunehmender Beliebtheit.

Brandenburg als Alternative

Wenn Sie den Speckgürtel hinter sich lassen und etwas tiefer nach Brandenburg eindringen, eröffnen sich noch andere Möglichkeiten. Je weiter Sie sich von der Hauptstadt entfernen, desto dünner besiedelt ist das Land. Viele Einwohner haben die Region verlassen, nachdem alteingesessene Arbeitgeber aufgeben mussten. Mit etwas Glück findet man noch verwaiste Gehöfte, die darauf warten, restauriert und wiederbelebt zu werden. Für diejenigen, die in der Digitalwirtschaft arbeiten und nicht täglich ins Büro fahren müssen, könnten solche Immobilien eine echte Alternative sein. Hier Tierhaltung zu betreiben und mit dem Kleintraktor über das Feld zu tuckern sind Freiheiten, die man nicht überall bekommt. Nur auf eine gute Internetverbindung sollten Sie unbedingt achten.

Stadt und Land – das Beste aus zwei Welten

Während der Woche stylishe Lederschuhe, am Wochenende Gummistiefel: In der Stadt zu arbeiten, aber ländlich zu wohnen, ist für viele ein erstrebenswertes Lebensmodell. Der Arbeitsmarkt in Berlin wächst, gleichzeitig steigen hier die Immobilien- und Mietpreise. Die klettern zwar auch in der Peripherie der Stadt, wenn auch weniger stark. Ländlicher Wohnraum ist noch bezahlbar. Nur zu verständlich, dass man die jeweiligen Vorteile beider Welten für sich nutzen will. Aber gibt es bei dieser Strategie tatsächlich nur Gewinner?

Arbeiten und Wohnen

Die Stadt ist der Ort, der die meisten Arbeitsplätze bereitstellt. Industrie, Gewerbe, Gastronomie und Kultur sind nur einige Bereiche. Am Ende des Arbeitstages gibt es unzählige Möglichkeiten, den Feierabend zu verbringen. Aber ganz gleich, ob man noch mit den Kollegen essen geht oder direkt den Weg nach Hause einschlägt: Wohnt man außerhalb der City, ist die Fahrt in die heimatlichen Gefilde eine lange.

Arbeiten und Wohnen sind bei diesem Lebensmodell örtlich sehr weit voneinander getrennt. Früher wohnte man dort, wo man arbeitete oder umgekehrt. Es war selbstverständlich, die Wege und die benötigte Zeit möglichst zu minimieren. Heute steht man vor einem Luxusproblem.

Wege und Staus werden immer länger. Fahrten zwischen Wohn- und Arbeitsort kosten Zeit und Geld. Als Ausgleich dafür zahlt der Staat die Pendlerpauschale. Das kostet ihn Milliarden an Steuergeldern und fördert unökologisches Verhalten – finanzielle Mittel, die besser in bezahlbaren Wohnraum investiert wären.

Berlin gilt als grüne Stadt. Fast 30 % der Fläche sind Grünanlagen und Gewässer. Es gibt ausgedehnte Waldgebiete, Naturschutzgebiete, viele Parks und Wiesen sowie zwei Zoos. Mit entsprechendem politischen Willen und Handeln ließe sich die Stadt – ohne übermäßigen „Flächenfraß“ in das Umland hinein – in einen Wohnort verwandeln, der zugleich hip und lebenswert ist.

Flächenverbrauch

In den Jahren 2016 bis 2019 ist die Siedlungs- und Verkehrsfläche in Deutschland um durchschnittlich 52 Hektar pro Tag gewachsen. Das sind drei Fußballfelder pro Stunde! Ein Ziel der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung war es, den Flächenverbrauch auf 30 Hektar pro Tag bis zum Jahr 2020 zu reduzieren. Dieses Datum wurde mittlerweile auf das Jahr 2030 verschoben.

In der Peripherie Berlins entstehen zunehmend großräumige Gewerbeflächen, die innerstädtisch keinen Platz finden und deren logistische Anforderungen dort auch nicht erfüllt werden können. Ein international tätiger Hersteller von Elektroautos beispielsweise benötigt viel Fläche, aber schafft im Gegenzug Arbeitsplätze. Im Umfeld dieser Produktionsstätte siedeln sich Zulieferer an und es entstehen neue Wohngebiete.

Die Tendenz ist eindeutig: Deutsche Städte wachsen in die Breite, nicht in die Höhe. Dabei liegt Deutschland im prozentualen Vergleich der Bevölkerung an Wohneigentum in Europa recht weit hinten. In nord- und osteuropäischen Ländern ist diese Zahl sehr viel höher, aber dort ist die Bevölkerungsdichte auch weitaus geringer. Im bevölkerungsreichen Deutschland gibt es schlicht nicht genug Platz, um die Städte unendlich in die Breite wachsen zu lassen.

Fazit

Der Wunsch nach einem Leben in einer ländlichen Gegend ist allzu verständlich. Es ist die Aussicht auf Ruhe, Natur und Entspannung, die lockt. Familien mit Kindern können ihren Nachwuchs entspannt auf den nahen Spielplätzen und Wiesen herumtollen lassen. Die Luft ist sauberer, der Autoverkehr überschaubar und entschleunigt.

Am Wochenende können Sie Ihren Kleintraktor steuern und sich um die Arbeiten auf Ihrem Grundstück kümmern. Der Tierhaltung, der Sie sich verschrieben haben, müssen Sie natürlich täglich nachgehen. Hund, Katze oder Kaninchen wollen an jedem Tag fressen und es sauber haben. Aber diese Tätigkeiten dienen Ihrer Entspannung, geben Ihnen neue Energie und machen Ihren Alltag lebenswert.

Die Region Berlin bietet für diesen Lifestyle gute Voraussetzungen. Sie wohnen ländlich in Brandenburg, während Ihnen die nahe, trendige Stadt die Dinge offeriert, die Sie auf dem Land nur bedingt finden: Arbeit, Kultur oder Shoppingmalls.

Steigende Immobilienpreise

Die Wirtschaftskraft der Metropole wächst, es entstehen immer mehr Jobs in stets neuen Tätigkeitsfeldern. Mit der Attraktivität der Stadt steigen auch die Immobilienpreise und die Mieten. Der Staat gibt hier gerne seine Verantwortung bezüglich Planung und Versorgung mit Wohnraum an die private Bauwirtschaft weiter. Die nimmt den Ball bereitwillig an, investiert, baut und fordert noch höhere Mieten.

Für Sie bedeutet das, Ihren Wohnort im Speckgürtel der Stadt gewählt zu haben, war ein richtiger Entschluss – im Sinne Ihrer selbst und Ihrer Familie. Aber ist dieses Konzept, Städte wie Berlin hauptsächlich in die Breite wachsen zu lassen, tragfähig und zukunftstauglich? Die dafür verfügbare Fläche an Land ist letztlich begrenzt. Die Verliererin bei dieser Vorgehensweise ist am Ende die Natur. Der Flächenverbrauch steigt weiter, Wälder werden gerodet, Wiesen versiegelt und Tieren der Lebensraum entzogen.

Die Region Berlin ist lebenswert. Damit das so bleibt, sind zukunftsfähige Wohnkonzepte der Politik, umweltverträgliche Erschließung und Ausbau von gewerblichen Flächen und eine sinnvolle Verkehrsplanung notwendig.

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