Stadtteil Berlin Pankow – Sehenswürdigkeiten, Veranstaltungen, Highlights

Sonderzug nach Pankow

Als der Rocksänger Udo Lindenberg musikalisch mit seinem „Sonderzug nach Pankow“ fuhr, gehörte der Stadtteil noch zu Ost-Berlin. Lindenberg hatte 1979 in einem Radiointerview den Wunsch geäußert, ein Konzert in Ost-Berlin geben zu wollen. Das wurde vom Kulturverantwortlichen der SED, Kurt Hager, sofort abgelehnt. Der Rocksänger war schwer verärgert und verfasste daraufhin den „Sonderzug nach Pankow“, der am 2. Februar 1983 veröffentlicht wurde. Der Text (Melodie nach Glenn Millers Swing-Klassiker Chattanooga Choo Choo) richtete sich direkt an den damaligen Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker, was den ziemlich aufbrachte. FDJ-Chef Egon Krenz glättete die Wogen und lud Udo Lindenberg nach Ost-Berlin ein. Am 25. Oktober 1983 kam es zum ersten und bis zur Wende einzigen Auftritt von Lindenberg in der DDR. Er spielte im Rahmen des Festivals Rock für den Frieden vor 4200 Zuhörern im Palast der Republik. Auf seinen „Sonderzug“ verzichtete er auf Wunsch der DDR-Führung.

Warum ausgerechnet Pankow? Ganz einfach. Im Schloss Schönhausen im Berliner Ortsteil Niederschönhausen des Bezirks Pankow wurde 1949 der erste eigenständige Staatsakt der gerade gegründeten DDR vollzogen. Ab da, bis 1960 war es Sitz des Präsidenten, danach bis 1964 des Staatsrates der DDR. Und in der Anfangszeit des Kalten Krieges galt das Schloss im Volksmund als „Regierungssitz der sowjetisch besetzten Zone“. Insofern war und ist Pankow auch nicht irgendein Stadtteil von Berlin. Nicht nur der Anfang der DDR wurde dort besiegelt, sondern 41 Jahre später wurde an derselben Stelle der ostdeutsche Sozialismus zu Grabe getragen.

Schauplatz politischer Entscheidungen war das Barockschloss, das 1664 als Herrenhaus erbaut wurde, nicht nur einmal. Im Jahre 1700 fanden die Geheimverhandlungen statt, mit denen Friedrich III. seine Inthronisation zum ersten Preußenkönig vorbereitete. Unter seiner Ägide wurde auch das Schloss erweitert, und der Schlosspark in einen prächtigen Barockgarten verwandelt. Sein Nachfolger, König Friedrich Wilhelm I., ließ das gesamte Anwesen allerdings verwahrlosen. Als Friedrich II., im Volksmund der „Alte Fritz“ genannt, den Thron bestieg, schenkte er das Schloss 1740 seiner Frau Elisabeth Christine.

Während des Siebenjährigen Kriegs wurde das Schloss von russischen Truppen völlig zerstört. König Friedrich II. ließ das Schloss, so wie es heute aussieht, wieder aufbauen. Nach dem Tod von Königin Elisabeth Christine wurde das Schloss zwar noch gelegentlich bewohnt und um 1828 gestaltete der preußische Gartenkünstler Peter Joseph Lenné den Park um in einen englischen Landschaftsgarten. Doch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verfiel das Anwesen zusehends. Das Schloss diente nur noch als Lager für Möbel und Gemälde. Erst Ende der 1920er Jahre begannen umfangreiche Sanierungsarbeiten und im Schloss fanden später zahlreiche Ausstellungen mit den Werken hochkarätiger Künstler, darunter van Gogh, Ernst Barlach oder Franz Marc. Die sowjetische Militärverwaltung beschlagnahmte das Schloss nach dem Zweiten Weltkrieg und nutzte es erst als Offizierskasino, dann als Schule und Internat.

Nach der deutschen Wiedervereinigung war jahrelang strittig, was mit dem Schloss geschehen sollte, bis es 2005 an die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg übergeben wurde. 2009 wurde das Schloss nach umfangreichen Sanierungs- und Renovierungsarbeiten wieder eröffnet und hat nun, nach vielen Irrungen und Wirrungen, seine Bestimmung gefunden. Neben der Nutzung als Museum finden ständig wechselnde Ausstellungen, Vorträge und Konzerte statt. Der Schlossgarten ist eine Perle für sich und Sie sollten sich viel Zeit nehmen, ihn zu durchstreifen.

Der Werdegang von Schloss Schönhausen ist letztlich exemplarisch für den Stadtteil Berlin Pankow. Das kleine Angerdorf, das vom Flüsschen Panke, einem Nebenfluss der Spree, seinen Namen bekam, wurde 1230 erstmals erwähnt, als ein Pfarrer dort ein Stück Land erhielt und eine Holzkirche bauen ließ. Auch wenn sich Pankow stetig vergrößerte, blieb der dörfliche Charakter bis ins 19. Jahrhundert erhalten. Heute noch zu erkennen in der Breite Straße mit Dorfanger und Kirche im Zentrum. Ein paar Meter (Hausnr. 45) weiter finden Sie das sogenannte Kavalierhaus. Auf den ersten Blick wirkt es etwas unscheinbar. Ist es aber nicht. Dieses barocke Kleinod wurde 1770 erbaut und gehört zu den bedeutendsten Baudenkmalen im Stadtteil Berlin Pankow. Zur Straßenseite hin beeindrucken vier Putten, deren Sandstein-Originale aus dem 18. Jahrhundert stammen. Sie befinden sich in der Skulpturensammlung im Bode-Museum. Die Kopien stammen von 1960. Der Park auf der Rückseite erinnert an die Zeiten, als Pankow noch reiner Erholungs- und Ausflugsort war. Im wunderschön restaurieren Kavalierhaus, das heute der Caritas gehört, finden Kulturveranstaltungen und medizinische Fortbildungen statt. Ein Besuch ist wirklich lohnenswert. Allein schon wegen der Wandmalereien, von denen manche nur freigelegt, andere komplett nachgearbeitet wurden.

Ebenfalls in der Breite Straße befindet sich das 1901 erbaute Rathaus. Hier lohnt sich ein zweiter Blick, denn das Gebäude vereint verschiedene Baustile in sich wie Neobarock, Neogotik und Jugendstil. Die rote Klinkerverblendung sorgt zusätzlich für ein farbliches Highlight. Im Erdgeschoss befindet sich das historische Trauzimmer mit neobarocken Deckenverkleidungen, Reliefs und imposantem Kronleuchter. Unbedingt ansehen.

Ein weiteres Kleinod aus dem alten Pankow steht in der Wollankstraße, fast direkt neben dem Rathaus. Die Alte Bäckerei, 1860 erbaut, war erst Bierbrauerei und ab 1875 stand Bäckermeister Carl Hartmann in seiner Backstube. Die Familie betrieb das Unternehmen bis 1964. Heute ist die Bäckerei ein kleines, feines Museum, wo man alles über das Bäckerhandwerk erfährt. In einer kleinen historischen Herberge unterm Giebel kann man sogar übernachten. Und dreimal wöchentlich wird die Backstube geöffnet und Sie können Märkisches Landbrot kaufen, „Pankower lange“ und „Pankower runde“.

Und jetzt sollten Sie rasch über die Straße in den Bürgerpark Pankow gehen. Er ist mit rund 12 Hektar der größte des Bezirks und der sehenswerteste von ganz Berlin. Schon das dreiteilige Eingangstor im Stil der Renaissance ist eines der Wahrzeichen im Stadtteil Berlin Pankow. Der Park entstand 1856, als der Begründer der Berliner Börsen-Zeitung, Hermann Killisch von Horn, das Gelände für sich und seine Familie erwarb. Seit 1907 befindet sich der ehemalige Privatbesitz im Eigentum von Pankow. Fast unberührt von der Zeit, politischen Wirrungen und Ideologien, wiegen sich riesige Eichen, Ahornbäume und Buchen im Wind. Exoten wie Maulbeer- und Tulpenbäume säumen die Wege. Der 1960 angelegte Rosengarten ist für Romantiker und Rosenliebhaber wie geschaffen. Und inmitten dieser duftenden Blumenpracht steht ein neoklassizistischer Pavillon, der Musikliebhaber nicht nur aus Berlin anzieht. Insbesondere zum alljährlichen Festival „Jazz im Park“, das gewöhnlich zu Pfingsten stattfindet. Für den Bürgerpark benötigt man in Grunde mehr als einen Tag, sonst hat man einfach nicht alles gesehen. Seien es die Skulpturen, die Ehrengräber, den Kinderbauernhof, den Wasserspielplatz mit Skaterpark, den Friedhof etc. Und da ist noch kein Schlummerstündchen am Ufer der Panke mit eingerechnet.

Als zu Beginn der Gründerjahre der Aufschwung nach Pankow kam, wurde der dörfliche Charakter langsam von einem städtischen Anstrich übertüncht. Geschichte und Alltagskultur jener Zeit werden im Museum Pankow beeindruckend lebendig in zwei Räumen mit originaler Einrichtung. Das bürgerliche Leben spielte sich zwischen Stuck, dunklen Möbeln, Lüstern und großen Kachelöfen ab. Ursprüngliche Elemente sind auch in Hof, Garten und Treppenhaus zu finden.

Wer durch Pankow schlendert, bekommt zum einen das Gefühl, manchmal durch ein Museum zu wandern. Zum anderen ist man angenehm überrascht, wie grün dieser Stadtteil auch heute noch ist. Wer gerne Rad fährt, kann einfach mal von Grün zu Grün radeln und zwischendurch in irgendeinem Park die Füße hochlegen.

Aber bitte, der Stadtteil Berlin Pankow ist natürlich nicht nur museal und grün. Dort wird auch sehr ausgelassen, ganz nach Berliner Art, gefeiert. Beim alljährlichen Kunstfest im Park von Schloss Schönhausen. Maler, Holzkünstler, Töpfer zeigen auf einer lebendigen Kunstmeile die Ergebnisse ihrer Schaffensfreude. Ein echtes Straßenfest findet immer im August in der Florastraße statt. Dann öffnen alle Gewerbetreibende, egal ob Künstler oder Hobbyhandwerker, ihre Türen. Eine Art Nachbarschaftsveranstaltung, bei der aber auch Nichtnachbarn willkommen sind, die sich seit 2009 steigender Beliebtheit erfreut.

Nicht zu vergessen der älteste Wochenmarkt Berlins auf dem Pankower Anger. Seit 1857 gibt es ihn in der Breite Straße bei der Pfarrkirche. Dort konnten die Bauern aus den umliegenden Dörfern ihre Erträge direkt verkaufen. Heute ist das Angebot breiter. Frischer Fisch, Spreewaldprodukte, Wurst und Honig finden ihre Käufer. Und es gibt Buchstände, die immer mehr Liebhaber anziehen. Man kann dort wahre Schätze entdecken, vor allem aus alten DDR-Zeiten.

Als Schatz hat sich eine Bierbude aus dem 19. Jahrhundert erwiesen. Der Prater Biergarten – nein, den Prater gibt es nicht nur in Wien – ist Berlins ältester Biergarten. Er liegt zwar in Prenzlauer Berg, doch der Stadtteil gehört ja seit 2001 zu Pankow. Es ist nicht verbrieft, aber ein Mann namens Porath hat angeblich 1837 an der Kastanienallee mit einem Bierausschank begonnen. Die Familie Kalbo erwarb diesen Ausschank 1852 und expandierte. Eine überaus beliebte Vergnügungsstätte entstand, und im Laufe der Jahre war der Prater Kneipe, Ausflugslokal, Varieté, Volkstheater, Ballsaal, Garten und Versammlungsort. Vielleicht kann er es mit den Wiener Prater nicht ganz aufnehmen, dafür ist der Berliner sehr gemütlich.

Was aber wäre Berlin ohne Glanz und Glamour? Beides finden Sie in den zwei großartigen Arenen Max-Schmeling-Halle und Velodrom. Künstler wie David Bowie, Ed Sheeran, Chris de Burgh und natürlich Udo Lindenberg, sind dort aufgetreten, um nur einige zu nennen. Das Velodrom ist das Herzstück des Berliner Radsports. Seit 1997 findet dort alljährlich das Berliner Sechstagerennen statt. Aber auch Showgrößen wie Bruce Springsteen, Take That, Genesis oder Bryan Adams wissen das Velodrom zu schätzen. Ganz zu schweigen vom Publikum.

Udo Lindenberg ist übrigens inzwischen inoffizieller Pankow-Botschafter.

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