Wintergarten Varieté – Atemberaubende Akrobatik unterm Sternenhimmel

Das Wintergarten Varieté wusste stets seine Besucher und auch Kritiker zu Jubelarien zu verleiten. Pressestimmen

sparten nicht mit Superlativen und beschrieben den Wintergarten als „Juwel des Varietés“ oder gaben ihm den Titel „Das schönste Varieté Europas“. Auch die ebenfalls aus der Presse stammende Bezeichnung „Berlins schönster Theaterraum“ ist mehr als passend für den prunkvoll gestalteten Saal des Varietés. Lassen auch Sie sich von dem besonderen Flair des Theaters verzaubern. Bereits der Eingang zum Wintergarten gleicht dem Betreten einer anderen Welt und lässt den Glanz vergangener Jahrzehnte erleben. Ein Dekor aus hochwertigem Holz zusammen mit einer Verbindung aus Samt unterstreicht den prunkvollen Charakter des Wintergartens, der durch den einzigartigen Sternenhimmel noch einmal verstärkt wird. Die folgenden Zeilen bringen Ihnen die bewegte Geschichte des Wintergarten Varietés bis in die Gegenwart näher. Bei einem Besuch der Bundeshauptstadt sollten auch Sie sich von der atemberaubenden Akrobatik unterm Sternenhimmel des Varietétheaters mitreißen lassen.

Gründung des Wintergarten Varietés als Central-Hotel

Die Stadt Berlin wurde um das Jahr 1880 herum durch seine Lage als Zentrum zwischen Ost und West angesehen und hatte mit steigenden Besucherzahlen zu kämpfen, was zu einem zusätzlichen Verkehrsaufkommen führte. Infolgedessen wurde das Schienennetz der Stadt ausgebaut und an den internationalen Eisenbahn-Verbund angeschlossen. Der Schienenverkehr sollte durch die Innenstadt führen und daraufhin entstanden mit dem Potsdamer Bahnhof und dem neuen Central-Bahnhof, dem heutigen Bahnhof Friedrichstraße, zwei neue Bahnhöfe. Der damalige Eigentümer des Lokals „Stadtpark“ plante die Eröffnung eines Hotels, das es mit den Häusern in London, Paris und New York in Sachen Ausstattung und Komfort aufnehmen konnte. Zu diesem Zweck kaufte er Grundstücke um den geplanten Central-Bahnhof auf und begann im Jahr 1877 nach dem Abriss alter Gebäude mit dem Bau des Central-Hotels. Die Einrichtung des Hauses orientierte sich an den Bauten des wilhelminischen Kaiserreichs und sah eine Trennung des Hotels in zwei Teile vor. Neben dem Hotelbereich gab es auch den Palmen-garten. Der Wintergarten diente mit als Kulisse für Konzerte und Theatervorstellungen und war nicht nur ein Erholungsraum für die Gäste des Hotels. Der Saal des Wintergartens hatte eine Fläche von 1700 Quadratmetern und wurde durch unzählige Gasleuchten erhellt. Die gewölbte Kuppel des Saales bestand aus Glas und die Decken-höhe maß an ihrem höchsten Punkt 18 Meter. Die wohlhabenden Berliner bevorzugten die Philharmonie als Veranstaltungsort der abendlichen Unterhaltung. Doch bereits im Jahr 1881 hatte der Wintergarten der Philharmonie den Rang abgelaufen und bildete den Grundstein für den Erfolg des Wintergarten Varietés mit seinem Angebot an musikalischen Darbietungen, die bis ins Jahr 1886 hauptsächlich aus instrumentalen Konzerten bestanden. Ab der folgenden Saison begann die Erweiterung des Programms und sah die Einbindung von Tanz und Gesang in die Konzerte. Die Betreiber des Wintergartens orientierten sich auf der Suche nach Dramaturgie an Vorstellungen aus dem Zirkus und der Revue. Diese neue Herangehensweise führte schließlich dazu, dass Alltag sowie Darbietung verschmolzen und am Ende die Sänger und Tänzer im Zentrum der Inszenierung standen. Die Kapelle hatte die Aufgabe, die Zuschauer zwischen den verschiedenen Nummern zu unterhalten. Durch diese Symbiose von Gesang, Tanz und Kapelle ging das erste Varietéprogramm des Wintergartens hervor. Durch dieses experimentierfreudige Verhalten fanden sich immer neue Künstler und Investoren, die diese neue Lust an der Inszenierung für sich entdeckten, um das Publikum zu unterhalten. Der Erfolg zeigte sich im überbordenden Applaus des Publikums und hatte immensen Einfluss auf die Ausrichtung des Programms.

Das Wintergarten Varieté

Im Herbst des Jahres 1887 feierte das Varietétheater Premiere und stieg in der folgenden Zeit zum bekanntesten Varietétheater auf. Der Ruhm der Einrichtung war dabei nicht auf die Stadt Berlin beschränkt, sondern schloss das gesamte Kaiserreich ein. Auch das Wintergarten Varieté hatte mit einer Eigenart zu kämpfen, die für diese Art von Einrichtung typisch ist. Ein Varietétheater sieht sich häufigen Programmwechseln unterworfen und ist immer auf der Suche nach der nächsten noch größeren Sensation. Der Begriff der Nummernrevue trifft diesen Umstand auf den Punkt. Bei Umbauarbeiten im Jahr 1900, die sich nach Plänen des Bauherrn des Theater des Westens richteten, bekam der Wintergarten sein spezielles Erscheinungsbild. Durch die Umgestaltung konnte der Saal über Platten an der Decke abgedunkelt werden und es wurden Glühbirnen installiert, um den markanten Sternenhimmel zu simulieren und das Publikum zu verzaubern. Das Jahr 1928 brachte weitere Umbauten mit sich und machte das Haus mit 3000 Plätzen zum größten und modernsten Theater von Europa. Den Titel musste sich das Wintergarten Varieté jedoch mit dem Großen Schauspielhaus teilen. In den wilden Zwanzigern präsentierte sich der Wintergarten mit zeitgenössischen und exzentrischen Künstlern als angesagter Treffpunkt für das vergnügungssüchtige Publikum der damaligen Zeit. Der Kreis der Gäste war nicht mehr nur auf das gut betuchte Klientel aus besseren Gesellschaftsschichten beschränkt, sondern ermöglichte es auch dem normalen Bürger, das Programm bereits für kleines Geld im Entree des Hauses zu verfolgen. Es war ein Bombenangriff, der dem Spielbetrieb nach 56 Jahren am 21. Juni 1944 ein Ende setzte. Die Ruine des Wintergartens stand noch bis in Jahr 1950, bevor sie schließlich gesprengt wurde.

Neuanfang im Jahr 1992

Das Wintergarten Varieté erlebte seinen dritten Frühling durch mehrere Investoren, die die Räume des ehemaligen Quartier Latin mieteten und aufwendig umgestalteten. Nach Beendigung der Umbauarbeiten feierte der neue Wintergarten als Theater bei einer feierlichen Gala am 25. September 1992 Premiere. Unter den prominenten Gästen befanden sich unter anderem die beiden Magier Siegfried und Roy. Mit der Vergabe des Schallplattenpreises Echo sah das Wintergarten Varieté im April 1993 die nächste Großveranstaltung mit internationalen Stars. Im darauffolgenden Jahr wurde die Einrichtung selbst mit dem Kulturpreis von der Berliner Zeitung B.Z. ausgezeichnet. Das Theater diente in den 1990er Jahren auch als Kulisse für mehrere Produktionen des öffentlichen und privaten Fernsehens. Die im Wintergarten produzierten Formate reichen von der langlebigen Krimiserie Tatort bis zu der Sendung Traumhochzeit des Senders RTL. Bei der Jahrtausendwende konnte das Wintergarten Varieté im Jahr 2000 durch die Millennium-Show mit einer glamourösen Galavorstellung auftrumpfen. Das zehnte Jahr seines Bestehens feierte der Wintergarten mit vier Programmen, die für ein Wiedersehen mit den Künstlern der vergangenen Dekade sorgten. Die drei Betreiber planten mit ihrem Haus an die Erfolge aus den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg anzuknüpfen und der Erfolg gab ihnen recht. Mehr als eine Million Besucher in den ersten Jahren sprachen eine deutliche Sprache für den Erfolg des Wintergartens. Nachdem sich die zwei der drei Investoren bereits vorher aus dem Projekt zurückgezogen hatten, verkaufte der verbliebene Betreiber die Räumlichkeiten 2007 weiter. Bereits im Sommer des Jahres 2008 meldete der Wintergarten Insolvenz an. Der Spielbetrieb wurde bis zum 31. Januar 2009 aufrechterhalten, bevor der vorerst letzte Vorhang im Wintergarten fiel. Bereits Mitte 2009 erwarb ein neuer Investor das Inventar und die Namensrechte des Wintergartens, um den weiteren Bühnenbetrieb zu gewährleisten. Mit dem investierten Geld sollte zunächst ein dreimonatiger Testbetrieb ermöglicht werden, damit sich im Anschluss zeigen konnte, ob das Varietétheater im hart umkämpften Markt bestehen kann. Fast auf den Tag genau ein Jahr nach seiner Schließung führt das Varietétheater bis heute ganzjährig drei selbstproduzierte Shows auf, die das Publikum zum Teil polarisieren.

Tauchen auch Sie ein in die bildgewaltigen Kompositionen von namhaften Künstlern, die sie mit ausgefallenen Choreographien, Melodien und gewagten Tänzen in einen einzigartigen Kosmos entführen. Das Wintergarten Varieté bietet Ihnen mit seinem Bühnenspektakel ein Erlebnis, das seinesgleichen sucht. Verlieren auch Sie sich in den farbenfrohen Kunstwelten im Varieté in Berlin.

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